đź’š Trauer beginnt nicht immer mit Abschied đź’š

Vor kurzem habe ich ein Zitat gelesen, das mich nicht mehr loslässt:

„Trauer kann schon vor dem Tod beginnen.“


Dieser Satz hat mich tief berĂĽhrt. Denn er beschreibt etwas, worĂĽber viel zu selten gesprochen wird.


Viele Menschen erleben Trauer nicht erst in dem Moment, in dem ein geliebter Mensch stirbt. Manchmal beginnt sie viel früher – mit einer Diagnose. Mit einem Satz, der plötzlich alles verändert. Mit dem Wissen, dass Zeit nicht mehr unendlich ist.


Eine lebensverkürzende Erkrankung nimmt nicht nur Gesundheit. Sie nimmt Sicherheiten. Pläne. Selbstverständlichkeiten. Und manchmal auch die gemeinsame Zukunft, die man sich so selbstverständlich ausgemalt hat. In der Psychologie nennt man das antizipatorische Trauer.


Seitdem ich weiĂź, dass unsere Zeit begrenzt ist, begleiten mich immer wieder Wellen der Trauer.

Ich versuche positiv zu bleiben. Ich versuche, im Hier und Jetzt zu leben. Ich versuche, dankbar zu sein. Und das bin ich auch.


Aber die Trauer kommt trotzdem.


Sie kommt leise, manchmal ganz plötzlich.

Trauer um all die Momente, die wir nicht mehr erleben werden.

Um Reisen, die wir nicht mehr gemeinsam antreten.

Um Jahre, die uns nicht geschenkt werden.


Es ist eine besondere Form der Trauer – eine, die zwischen Hoffen und Wissen steht. Zwischen Festhalten und Loslassen. Zwischen Dankbarkeit und Schmerz.


Und lange hatte ich das GefĂĽhl, ich mĂĽsste mich entscheiden:

Entweder stark sein.

Oder traurig sein.


Doch ich habe gelernt: Beides darf da sein.


Ich darf dankbar sein fĂĽr die Zeit, die wir hatten.

Und gleichzeitig traurig darĂĽber, dass sie begrenzt ist.


Ich darf lachen.

Und ich darf weinen.


Dankbarkeit und Trauer schlieĂźen sich nicht aus. Sie existieren nebeneinander. Manchmal sogar im selben Moment.


Vielleicht ist genau das Menschlichkeit.

Nicht entweder – oder.

Sondern sowohl – als auch.


Und während ich diese Zeilen schreibe, spüre ich beides:

Die Schwere.

Und die Liebe.


Und vielleicht ist es genau diese Liebe, die der Trauer ĂĽberhaupt erst ihren Raum gibt.


Wir wissen nicht, wie viel Zeit uns bleibt.

Aber wir wissen, dass wir sie haben. Jetzt.